Gedenk- und Feiertage der Herrnhuter Brüdergemeine


Zusätzlich zu den Festen, die in der christlichen Kirche allgemein begangen werden, feiert die Brüder-Unität (die weltweite Herrnhuter Brüdergemeine) weitere besondere Gedenktage aus ihrer Geschichte.
 
Die Geschichte der heutigen „Erneuerten Brüdergemeine“ hat ihre Anfänge in der tschechischen Reformation unter Jan Hus. Seinem Todestag am 6. Juli 1415 wird daher auch in der Brüdergemeine gedacht.

Die Unitas Fratrum, die böhmischen Brüder, gründeten sich am 1. März 1457. Also wird der Beginn der Alten Brüder-Unität im darauf folgenden Sonntags-Gottesdienst mit einer besonderen Liturgie gefeiert.
Am 26. März 1467 wurden die ersten geistlichen Diener (Pfarrer) der Unitas Fratrum gewählt. Mit dem Dreißigjährigen Krieg im 17. Jh. wurde die Alte Brüderunität vertrieben und verschwand im Untergrund.

Diese Glaubensflüchtlinge aus Böhmen und Mähren lud der Reichsgraf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf hundert Jahre später auf sein Land bei Bertelsdorf in Sachsen ein, um sich niederzulassen und eine neue Heimat zwischen den lutherischen Christen zu finden. Dazu gründete er den Ort Herrnhut. Mit dem Fällen des ersten Baumes am 17. Juni 1722 wird der Beginn der Siedlung gedacht, die der Kirche später ihren Namen geben sollte.
Wie man dort in geistlicher Einheit leben sollte, wurde in den „Statuten“ Herrnhuts festgehalten, welche am 12. Mai 1727 unterzeichnet wurden.
Das Zusammenleben der böhmisch-mährischen Siedler mit den lutherischen Deutschen aus Bertelsdorf war jedoch nicht ohne Spannungen. Eine wirkliche Einheit, eine Unität, wurde letztlich durch das Wirken Gottes im Heiligen Geist ermöglicht, der den gemeinsam Abendmahl Feiernden am 13. August 1727 diese Einheit schenkte. Dieser Tag stellt den „brüderischen Pfingsttag“ dar, der als Geburtstag der erneuerten Brüder-Unität im Gottesdienst mit einer besonderen Abendmahlsliturgie gefeiert wird.
Schnell entwickelte sich in dieser Glaubensgemeinschaft das Gefühl, dem Herrn durch die Verbreitung des Evangeliums in der Welt folge leisten zu müssen, und es wurden die ersten Missionare am 21. August 1732 in die Mission in die Karibik entsandt. Die Herrnhuter Brüdergemeine entwickelte in der Folge eine außerordentlich starke Missionstätigkeit, die zu der Entstehung vieler brüderischer Kirchenprovinzen in der ganzen Welt führte. In einigen Gemeinden wird daher regelmäßig ein Missionsfest im Sommer gefeiert.
Die ständig wachsende Kirche musste organisiert und geleitet werden. Graf von Zinzendorf berief dazu Älteste, aber für das Amt des Generalältesten wurde 1741 kein rechter Kandidat gefunden. Am 16. September machten sie die Erfahrung, dass Jesus selber als Ältester und Haupt der Gemeinde wirkt, und so wurde Christus am 13. November 1741 zum Generalältesten und damit zum offiziellen Oberhaupt der Brüder-Unität ernannt. Dies wird beim sog. Ältestenfest mit einer besonderen Liturgie im Gottesdienst gefeiert. 
 
In der Tradition der Brüdergemeine entwickelten sich Feste für bestimmte Gruppen in der Gemeinde, Chöre genannt. So gibt es z.B. ein Ehechorfest mit Abendmahl für alle Eheheleute oder einen Schwesterntag.
Und im Kirchenjahreslauf haben sich ebenso bestimmte Versammlungen mit liturgischem Gepräge in der Brüdergemeine entwickelt, wie die Hosiannastunden am 1. Advent und zu Palmsonntag oder die Leseversammlungen in der Karwoche. 
Andreas Albrecht 2021