Erfindungen der Herrnhuter Brüdergemeine

 

Die Losungen 

Der Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine Graf Ludwig von Zinzendorf wollte den Bewohnern seiner Siedlung ein geistliches Wort, gleich einer Parole, mitgeben, welches sie am jeweiligen Tag bedenken sollten. Die Losung des Tages soll er zum ersten Mal am 3. Mai 1728  mündlich ausgerufen haben. Bereits 1731 erschien das erste gedruckte Losungsbüchlein, welches für jeden Tag im Jahr einen Bibelspruch enthielt. Diese Tradition entwickelte sich seitdem immer weiter und wird in ununterbrochener Folge nun seit 292 Jahren inzwischen in einer Millionenauflage in über 60 Sprachen von vielen Christen auf der ganzen Welt gelesen. Jedes Jahr wird in Herrnhut, vier Jahre im Voraus, feierlich aus 1884 alttestamentlichen Versen die Losung für jeden Tag eines Jahres durch ein Losverfahren bestimmt. Zu diesen wird dann jeweils durch eine Gruppe von haupt- und ehrenamtlichen Losungsbearbeitern und -bearbeiterinnen ein passender 'Lehrtext' aus dem Neuen Testament und ein 'Dritttext' aus dem Gesangbuch bzw. ein Gebet ausgewählt. Für viele Christen sind die Tagestexte der Losungen an die Stelle der täglichen Bibellektüre getreten und sie lassen sich von diesen kurzen Sinneinheiten aus der heiligen Schrift in ihrem Alltag herausfordern, leiten und im Glauben stärken und wissen sich dabei mit vielen Losungsleserinnen und -lesern weltweit verbunden. Bis heute werden sie in den liturgischen Versammlungen der Herrnhuter Brüdergemeine verlesen. Die Losungen können inzwischen auch mit der offiziellen „die Losungen“-App kostenfrei auf dem Smartphone gelesen werden. 

 

Herrnhuter Sterne 

Die dreidimensionalen Weihnachtssterne sind vermutlich das bekannteste Produkt, welches mit  dem Ort Herrnhut und somit in seiner Entstehungsgeschichte mit der Glaubensgemeinschaft der Herrnhuter Brüdergemeine verbunden ist. Der erste Stern wurde vermutlich Anfang des 19. Jahrhunderts in einer der Internatsschulen der Herrnhuter Brüdergemeine in Niesky oder Herrnhut im Rahmen des Mathematikunterrichtes hergestellt, in dem der Lehrer seinen Schülern so geometrische Formen anschaulich machen wollte. Das Basteln dieser Sterne in der Adventszeit entwickelte sich dann in den späteren Jahren in diesen Schulen zu einer Tradition, welche zudem die Bedeutung, Jesus als „Morgenstern in dunkler Nacht“, als Symbol der christlichen Hoffnung zu Weihnachten, als Schmuck wunderbar verkörperte. Ursprünglich war der Stern mit weißen und roten Zacken, sinnbildlich für die Reinheit Christi und sein am Kreuz vergossenes Blut, gestaltet. Die Sterne wurden auch zu den in der Mission weit entfernt lebenden Eltern als verbindendes Geschenk geschickt, und so gelangten die Herrnhuter Sterne schon Mitte des 19. Jahrhunderts 'nach Übersee' in viele Länder der Welt. Der tüchtige brüderische Geschäftsmann Verbeek entwickelte 1897 in Herrnhut dann ein Stecksystem und einen Baukasten für die serielle Herstellung dieser Sterne und ließ sie patentieren. Aus seiner Firma entwickelte sich die Herrnhuter Sternemanufaktur, welche heute eine große Bandbreite an Größen und Farben für Innen- und Außensterne für die weltweit steigende Nachfrage herstellt. Jährlich werden um die 700.000 Sterne von den 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hauptsächlich in Handarbeit produziert. Die Herrnhuter Brüdergemeine ist Miteigentümerin und finanziert durch den Verkauf der Sterne und der Losungen ihre kirchlichen Aktivitäten. 

 

Aromatique 

In Neudietendorf wurde von einem brüderischen Apotheker 1828 dieser Magenbitter (als Medizin) entwickelt und vertrieben, welcher heute noch in der Region produziert wird und darüber hinaus beliebt ist.                                                                                                   Andreas Albrecht 2021