Der Gottesacker

 


 Friedhöfe sind ein Spiegel von Kultur. In der Herrnhuter Brüdergemeine ist eine besondere Art der Bestattungskultur entstanden, die ihrer theologischen Überzeugung entspricht. So sind die Gräber auf dem Gottesacker alle gleichförmig, weil auch zwischen den Glaubensgeschwistern keine Standesunterschiede gemacht werden. Jeder Stein, welcher flach auf dem Boden im grünen Rasen ruht, hat die selben Abmessungen, und trägt als Inschrift den Namen des Verstorbenen, Ort und Datum der Geburt und des Todes, sowie einen Bibelvers. Die Trennung zwischen Brüdern und Schwestern wurde auch auf dem Gottesacker beibehalten, sodass man jeweils auf der Seite des selben Geschlechtes beigesetzt wurde. Es gibt also keine Familiengräber oder Ehegräber. Jeder ist für sich beigesetzt und wird als Mitglied der oberen Gemeinde, also bei Gott im Himmel, gesehen. Die Erinnerung an die Verstorbenen, wird in der Herrnhuter Brüdergemeine nicht am Ewigkeitssonntag vor dem 1. Advent, wie in der Landeskirche üblich, gehalten, sondern am Ostermorgen. Mit der Botschaft von der Auferstehung Jesu von den Toten, begibt sich die Gemeinde bei Sonnenaufgang am Ostersonntag singend und musizierend auf den Gottesacker und versammelt sich bei den neusten Gräbern. Dort werden die Namen der Verstorbenen des letzten Jahres genannt und die Hoffnung auf die Auferstehung auch für sie bekräftigt. Die Gräber auf dem Gottesacker bleiben dauerhaft und werden nicht nach einer gewissen Liegezeit eingeebnet oder neu belegt. Daher sind die Gottesäcker auch denkmalgeschützt, da sie die historischen Gräber seit fast 300 Jahren bewahren. Das Wort 'Gottesacker' besagt, dass die Toten wie Samenkörner in die Erde gelegt werden, die zu neuem Leben erblühen werden.