Das Verhältnis von Herrnhuter Brüdergemeine und ev. Landeskirche

Bei der Entstehung der Herrnhuter Brüdergemeine im 18. Jahrhundert herrschte in Deutschland das landesherrliche Kirchenregiment, wonach der Landesherr gleichzeitig die Leitungsfunktion der evangelischen Kirche in seinem Herrschaftsgebiet wahrnahm. In Herrnhut wurde durch die Verbindung der alten Böhmischen Brüderunität mit der ev. lutherischen Tradition durch den Grafen von Zinzendorf die „erneuerte Brüderunität“ geschaffen, die bald durch Mission in Übersee die Grenzen von Sachsen überschritt und eigene kirchliche Strukturen schuf und Bischofsweihen vollzog. Die pietistische Gemeinschaft passte damit nichtmehr in das damalige System der ‚Landeskirche‘. 1736 kam es zur Verbannung von Zinzendorfs aus dem Kurfürstentum Sachsen, da seine Brüdergemeine der lutherischen Orthodoxie zu selbständig geworden war und als Bedrohung der einheitlichen Landeskirche angesehen wurde. 

Heute werden in der Kirchenordnung der Brüdergemeine die reformatorischen sowie altkirchliche Bekenntnisse anerkannt. Mit der Unterzeichnung der „Konkordie reformatorischer Kirchen in Europa“ (Leuenberger Konkordie) 1973 gehört die Evangelische Brüderunität zu den Mitgliedskirchen der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). Damit wurde die Kirchengemeinschaft zwischen den lutherischen, reformierten und den aus ihnen hervorgegangenen unierten Kirchen sowie den ihnen verwandten vorreformatorischen Kirchen der Waldenser und der Böhmischen Brüder ermöglicht. (LK §30-33)         „Mit der Zustimmung zu der Konkordie erklären die Kirchen in der Bindung an die sie verpflichtenden Bekenntnisse oder unter Berücksichtigung ihrer Traditionen:

  1. Sie stimmen im Verständnis des Evangeliums […] überein.
  2. Die in den Bekenntnisschriften ausgesprochenen Lehrverurteilungen betreffen […] nicht den gegenwärtigen Stand der Lehre der zustimmenden Kirchen.
  3. Sie gewähren einander Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Das schließt die gegenseitige Anerkennung der Ordination und die Ermöglichung der Interzelebration ein.“

Doch schon vorher war die Verbindung zwischen Herrnhuter Brüdergemeine und den evangelischen Landeskirchen so stark, dass in Ortsgemeinden wie Neudietendorf, Königsfeld und Gnadau die Pfarrer der Brüdergemeine auch für die Versorgung der landeskirchlichen Mitglieder beauftragt waren. Es wurde die Doppelmitgliedschaft ermöglicht, sodass man gleichzeitig Mitglied der Landeskirche und Mitglied der Brüdergemeine  sein kann, welche den Status einer Freikirche hat. Die Landeskirchen erstatten deshalb einen Teil der Kirchensteuer als Pauschale für jedes Doppelmitglied an die Brüdergemeine. Die Brüderunität ist assoziiertes Mitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), sowie Vollmitglied in der ACK Deutschland und dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK).

Im Jahr 2023 feiert die Leuenberger Konkordie ihr 50. Jubiläum.